Newsdetails
Situation in der Great Gobi B im Sommer 2010
18.08.2010 15:51 von Jasmin Klett
Allgemeine Situation
Der vergangene Winter 2009/2010 war einer der Härtesten in der Mongolei seit Jahrzehnten. Ein Wetterphänomen, genannt Dzud, hat rund 10 Millionen Nutztiere verenden lassen. Bei Dzud folgt auf einen trockenen Sommer ein sehr kalter und schneereicher Winter.
Wildpferde
Für die Wildpferdepopulation im Projektgebiet war es ein katastrophaler Winter. Nur 48 Tiere haben Temperaturen von zeitweilig 40 Grad unter Null und eine Schneedecke von teilweise bis zu 1 Meter Dicke überlebt.
Die Verluste in den verschiedenen Winterlebensräumen sind unterschiedlich ausgefallen. Am extremsten war die Situation in Takhintal im Raum der früheren Angewöhnungsgehege. Hier sind die Pferde trotz Fütterung schon früh gestorben. Von 22 Tieren haben nur vier überlebt.
In Honin-Us, dem Haupteinstand im Winter, war die Situation ebenfalls dramatisch, wobei viele Tiere erst im April starben. Hier haben 26 von knapp 100 Tieren überlebt.
Das westliche Überwinterungsgebiet Takhin-Us bot den Tieren offensichtlich die besten Möglichkeiten: Hier haben von 19 Pferden 18 überlebt. Zudem haben nur in diesem Gebiet vier Stuten ihre Trächtigkeit bewahrt. Allerdings sind diese Fohlen kurz nach der Geburt gestorben. Am 14. August diesen Jahres wurde aber von den Parkmitarbeitern ein Fohlen entdeckt.
Aktuell werden Proben von rund 30 Tieren am Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie in Wien untersucht. Ziel ist es, in Erfahrung zu bringen, ob Krankheiten für den Tod der Pferde mitverantwortlich waren. Nach aktuellem Wissensstand sind sie erfroren.
Andere Wildtiere
Über die anderen Wildtiere liegen noch keine Zahlen vor. Auf einer Rundtour Mitte Juli 2010 entstand der Eindruck einer Landschaft, auf die eine kleine Eiszeit gewirkt hat - so spärlich waren die gesichteten Tiere.
Aktuell sammelt Petra Kaczensky in der Great Gobi B die Senderhalsbänder von 14 Wildeseln (Khulane) ein. Daraus wird man sehr viel über das Verhalten der Khulane während des letzten Winters erfahren. Zusätzlich führt sie gemeinsam mit den Parkmitarbeitern eine ausgedehnte Bestandeserfasssung für alle Wildtiere durch. Die Ergebnisse werden voraussichtlich im September 2010 vorliegen.
Wissenschaftlich betrachtet hat der vergangene Winter eine intensive natürliche Selektion bewirkt. Dies kann für die Zukunft einen positiven Einfluss haben. Allerdings dürfen solche extremen Winter nicht häufig auftreten, sonst ist das Überleben der Wildpferde in der Great Gobi B in Frage gestellt.
Vegetation
In Folge der Schneemengen und einem nassen Frühsommer entwickelte sich in der Great Gobi B sehr viel Vegetation. Dies dürfte für die Pflanzenfresser kurzfristig sehr positiv sein, da das Nahrungsangebot sehr vielfältig und im Überfluss vorhanden ist.
Sozio-ökonomische Projekte
Von April bis Oktober 2010 ist Alessandra Confalonieri vom Instituto Oikos im Projektcamp. Ihre Aufgabe ist es, mit den vor Ort lebenden Nomaden alternative Einkommensquellen zu entwickeln und Verbesserungen in der traditionellen Viehwirtschaft aufzuzeigen. Sie organisierte dazu erfolgreiche Workshops in den Bereichen „Viehwirtschaft“, „Filzproduktion"“ und „Holzschnitzerei“.
In den beiden Dörfern Bij und Soyombo haben die Dorfbewohner sich mit Alessandras Unterstützung als Kooperative* organisiert. Das gibt ihnen die Möglichkeit gemeinschaftlich Produkte zu produzieren und zu verkaufen sowie die Viehwirtschaft besser zu koordinieren.
Daneben arbeitet Oikos auch an der Entwicklung des Ökotourismus. Die Organisation spendete Jurten, in denen nun Touristen übernachten können. Sie werden ebenfalls von den Nomaden betreut.
*Definition einer Kooperative
Eine Kooperative ist eine unabhängige Vereinigung von freiwillig verbundenen Personen, um gemeinsame ökonomische, soziale und kulturelle Anliegen und Bestrebungen durch ein Unternehmen, dass Allgemeingut ist und demokratisch kontrolliert wird, durchzusetzen.
Bodenschätze
Bodenschätze sind in der Mongolei das Thema Nummer eins. Sowohl die Ausbeutung durch Private wie die Aktivitäten grosser Firmen haben ein riesiges Mass angenommen. Anfang 2010 hat die Mongolische Regierung die private Ausbeutung von Bodenschätzen legalisiert. Kleine Gruppen können nun bei den örtlichen Behörden Bewilligungen einholen und räumlich begrenzt nach Bodenschätzen suchen.
Es ist natürlich gesetzlich nicht erlaubt, in Schutzgebieten nach Bodenschätzen zu suchen. Trotzdem ist dies das grösste Risiko für die Entwicklung der Great Gobi B. Bereits hat illegale Goldsuche im Parkgebiet stattgefunden und rund um den Park wurden an Firmen Lizenzen für die Exploration von Bodenschätzen erteilt. Dieses Thema wird deshalb von den Rangern priorität behandelt und ist zudem ein Hauptthema im neuen Managementplan.


